Dienstag, 31.11 2017 10:00 Uhr

Festgottesdienst in der Martin-Luther-Kirche mit Pfarrer Jörg Depperman (lutherisch), Pfarrerin Ursel Rosenhäger (reformiert) 
und Pfarrer Michael Linnenbrink (katholisch)

Es sollte kein Luthergedenkgottesdienst sein, sondern ein Gottesdienst anlässlich des Beginns der Reformation vor 500 Jahren. 
Wir glauben alle an einen Gott, an Jesus Christus und den Heiligen Geist. Wir sind alle getaufte Christen, haben eine lange gemeinsame Geschichte hinter uns und und haben durch die Reformation den Sprung in die Neuzeit geschafft

Gemeinsam traten alle drei Theologen an den Altar und gestalteten den Gottesdiebst.

 

Im Mittelpunkt der Betrachtungen 
stand das abgebildete Lutherzitat. 

Jedes Wort hat seine tiefe Bedeutung!

Hier Ursel Rosenhäger bei der Betrachtung
 "... macht fröhlich, "
zu erläutern, was ihr sichtlich zusagte.

Unser Pfarrer konnte es nicht lassen und zog schnell für ein paar Momente den Luther hinter den Kulissen hervor.

Jörg Deppermann hatte "trotzig" zu erläutern. Es handelt sich nicht und den Trotz von Pubertierenden. Früher trotzten die Menschen in einer Trutzburg dem Krieg, sie trozten dem König Privilegien ab, die Christen sollen den Anfechtungen trotzen.

Michael Linnenbrink hatte das Stichwort "lustig" zu erläutern, nicht zu verwechseln mit ulkig. (Habe Lust an dem Herren, ....)

 

Mit Abkündigungen, Fürbittgebet, Segen und Posaunennachspiel ging die gelungene gemeinsame Veranstaltung zu Ende. Die Posaunen bekamen Extrabeifall für ihr Nachspiel.

 

 

 

Nach dem Gottesdienst wurde im lockerem Rahmen weiter diskutiert.

Fotos: Storkebaum



                                Roswitha Wandke-Meyer beschreibt Ihren Eindruck vom Gottesdienst:


Reformations-Gottesdienst am 31.10.2017

Ökumene am Reformationstag!  In meiner Jugendzeit wurde gerade am Reformationstag immer das Trennende zwischen Katholischer und Evangelischer Kirche betont – war ja irgendwie klar:  Luthers Thesen-Anschlag hatte ja letztlich bewirkt, dass es nicht mehr nur die eine Katholische Kirche gab, sondern viele neue, Protestantische eben, dazu kamen.

Vor diesem persönlichen Hintergrund war der Reformationsgottesdienst in der Martin-Luther-Kirche etwas ganz Bewegendes für mich:  Ökumene in Gestalt des Lutherischen „Hausherren“, Pfarrer Deppermann, der Reformierten Kollegin, Pfarrerin Rosenhäger, und des Katholischen Pastors Linnenbrink, die mit sichtbarer Freude, mit gegenseitigem Respekt, mit Freundlichkeit und Humor gemeinsam einen wunderbar verbindenden Gottesdienst gestalteten.  Sie stellten deutlich dar, dass es tatsächlich mehr Gemeinsames als Trennendes zwischen den Konfessionen gibt.

Leitsatz war ein Luther-Zitat: 
Die Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade macht fröhlich, trotzig und lustig gegen Gott und alle Kreaturen.

Frau Rosenhäger beschäftige sich mit dem Begriff „fröhlich“ aus dem Zitat und betonte, dass es auf die Zukunft ausgerichtet ist, auf Hoffnung hindeutet.

Der Begriff „trotzig“ wurde von Herrn Deppermann als nicht so negativ gesehen, wie er heute wirkt.  In Luthers Zeit gab es „Trutzburgen“, die Menschen Schutz boten, hilfreich waren.  So ist auch Luthers Lied „Ein feste Burg“ gemeint.

Herr Linnenbrink wandte sich dem Begriff „lustig“ zu, der nicht so oberflächlich zu verstehen ist, wie er heute verwendet wird.  „Lustig“ bezeichnet Lust am Leben, Lebensfreude.

Reformation bedeutet nach diesen drei Erläuterungen auch eine Neu-Erkenntnis alter Worte wie fröhlich, trotzig und lustig.  Wie das neue Verständnis alter Worte muss auch die Kirche selbst bis heute immer wieder neu erkannt, verstanden und erneuert werden:  Ecclesia semper reformanda.