Aus der Geschichte der Lutherischen Kirchengemeinde Blomberg


 Im Jahre 2006 feiert die Lutherische Kirchengemeinde Blomberg zwei Jubiläen: 
60 Jahre Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde und 
50 Jahre Martin-Luther-Kirche am Hagenplatz, ein Grund zurück zu schauen, wie alles anfing.

Zwar gab es zu Zeiten Martin Luthers (1483 - 1546; Thesenanschlag in Wittenberg 31.10.1517) eine lutherische Kirchengemeinde St. Martin in Blomberg. Das Augustinerkloster war seit der Reformation in Auflösung begriffen. Die erste lutherische Kirchenordnung entstand 1538. Im Jahr 1539 löste der erste lutherische Pfarrer in Blomberg, Conradus Meyer, den konservativen  katholischen Priester Liborius Schmidt ab, der als Dekan nach Paderborn gerufen wurde. Nach einer dreijährigen Interimszeit (Dekan Liborius Schmidt aus Paderborn untersagte Pfarrer Conradus Meyer die Ausübung seines Berufes) wirkte C. Meyer bis zum Jahre 1557 weiter im Sinne Luthers. Sein evangelischer Nachfolger war Jobst Piderit (Pfarrer in Blomberg 1557 bis 1584), danach sein Sohn Johannes Piderit (1584 bis 1628). In seine Amtszeit fiel der Übergang zum reformierten Bekenntnis des Grafen Simon VI. im Jahr 1605 und die Untertanen hatten zu folgen. Der reformierte Pfarrer Abraham  Theopold stand ab 1616 dem Lutheraner Johann Piderit zur Seite. Es gab viele Querelen zwischen den Anhängern Luthers und den Anhängern Calvins, hin bis zur Verbrennung des "Heidelberger Katechismus" auf dem Marktplatz von Blomberg. Von da ab galt Blomberg als reformiert und die wenigen Lutheraner wurden von St. Marien, Lemgo, bis 1953 betreut.

Durch die Nachkriegswirren kamen immer mehr Christen lutherischen Bekenntnisses nach Blomberg (Evakuierte aus dem Ruhrgebiet, Ausgebombte aus Hannover, Flüchtlinge und Vertriebene aus Polen, dem Memelland, Ostpreußen und Schlesien.

Pastor Armin Schlender sammelte nach dem Krieg zusammen mit 5 Familien aus Polen, seiner Heimat bis 1945, die versprengten Mitglieder der lutherischen Freikirche und gründete im März 1946 mit anderen lutherischen Christen die Lutherische Freikirche in Blomberg (1946 bereits 60 Seelen). Die ersten Gottesdienste wurden jeden 1. Sonntag im Monat in der Gartenstraße abgehalten. Ab November 1947 wurde Pastor Michael Klumbies mit der Leitung dieser Gemeinde beauftragt und im März 1948 offiziell eingeführt.

Danach wurde der Raum in der Gartenstraße zu klein, ein Raum in der Burgstraße wurde angemietet. Der offizielle Name war letztlich "Evangelisch Lutherische Bekenntniskirche, Eben-Ezer-Gemeinde in Blomberg e.V." Mit Hilfe der amerikanischen Wisconsinsynode wurde im Jahr 1950 an der Paulsenstraße das Eckgrundstück Jahnstraße erworben und die kleine Kirche mit Pfarrwohnung gebaut. 

Die Gemeinde wuchs auf 800 Mitglieder an.

Nach zähen Verhandlungen zwischen der Lippischen Landeskirche (Kirchenrat Dr. v. Hanstein und Kirchenrat Stolz) und dem Vorstand und Pfarrer M. Klumbies vom Verein  "Evangelisch Lutherische Bekenntniskirche, Eben-Ezer-Gemeinde in Blomberg e.V." kam es zur Auflösung des Vereins (02.08.1952) und zur Aufnahme der neuen Gemeinde zur Lutherischen Klasse  der Lippischen Landeskirche. Mit Beschluss der 20. Landessynode am 25.11.1953 wurde die Lutherische Kirchengemeinde gegründet.

Die alte Kapelle gehört weiterhin der Wisconsinsynode und wird von den wenigen Familien, die der altlutherischen Freikirche treu geblieben sind, genutzt.


Dafür erwarb Pfarrer M. Klumbies ein großes Grundstück an der Hagenstraße und forcierte den Bau der neuen Kirche mit (altem) Pfarrhaus (später Küsterwohnung, jetzt Gemeindehaus) und baute später auch das neue Pfarrhaus hinter der Kirche in der Paulsenstraße, in dem sich heute auch das Gemeindebüro befindet.

Am 14. August 1955 war die Grundsteinlegung der Kirche am Hagenplatz (1283 Kirchenmitglieder) und im Juni 1956 wurde sie schon eingeweiht. 

Pastor M.  Klumbies wirkte noch bis zum 31. Juli 1962 als Pfarrer in Blomberg, ging dann als Krankenhausseelsorger nach Lemgo und wirkte nach seiner Pensionierung noch oft bis zu seinem Tode am 25. Juni 1985 in Blomberg.

Seit dem 01.10.1962 leitete Herr Pastor Dr. Wrege (Jahrgang 1934) bis zum 31. Juli 1970 die Gemeinde. Er promovierte während seiner Amtszeit in Blomberg und ging danach nach Schleswig Holstein zur Ausbildung der dortigen Vikare und lehrte als Professor in Kiel. In seine Amtszeit fiel die erste echte Kirchenvorsteherwahl. Es wurden die ersten zwei Frauen (Frau Gerda Philip und Fräulein Margarete Schmidt) in den Kirchenvorstand gewählt, die Predigt zum Sonntag wurde oft in einem kleinen Vorbereitungskreis erarbeitet, Jugendliche feierten Ihre eigenen Gottesdienste, Fahrten ins Ausland (Paris, Polen) fanden statt.

Ab 1970 wirkte Pfarrer Klaus Fitzner in Blomberg. Gebürtig aus dem Memelland, kam er von der Gemeinde Holzminden mit 35 Jahren nach Blomberg und blieb bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1999. In seine aktive Zeit fiel die Gründung der jetzt bestehenden Frauenrunde, der Männerrunde, des Arbeitslosenzentrums. Auch er setzte die Jugendarbeit intensiv fort, forschte in den alten Akten, schrieb Theaterstücke (das St. Martinsspiel stammt aus seiner Feder). Die oben dargestellten  historischen Exkursionen stammen aus der Chronik von 1986, die er zum 40. bzw. 30. Kirchjubiläum im Jahr 1986 herausgab.

Nach der Verabschiedung von Pastor K. Fitzner zu Silvester 1997 wurde Pfarrer Jörg Deppermann Anfang 1998 in sein Amt in Blomberg eingeführt.

Die Gemeinde hatte zu Beginn des Jahres 2005 insgesamt ca. 1.700 Gemeindemitglieder.

Nach den Sommerferien wird in der Zeit vom 20.08. bis 03.09.2006 in zwei Festwochen den beiden Jubiläen (50 Jahre Martin-Luther-Kirche am Hagenplatz und 60 Jahre Ev.-luth. Kirchengemeinde in Blomberg) gedacht.

Zur Zeit können Sie sich schon an dem Kalender für 2006 erfreuen, der neben einem historischen Exkurs die wichtigsten Gemeindeaktivitäten darstellt.

Zum Jubiläum wird eine neue Chronik erscheinen, die auf die Geschichte der Gemeinde näher eingehen wird.

Das Verhältnis zur reformierten Kirchengemeinde Blomberg (Stammkirche ist die alte Klosterkirche) ist zur Zeit sehr gut. Die Pfarrer verstehen sich blendend. Es gibt viele gemeinsame Veranstaltungen (Bibelarbeit, Jugendarbeit, Gottesdienste). Die Pfarrer vertreten sich gegenseitig.
Die alten Gründungsmitglieder sterben aus. Die neu zugezogenen lutherischen Familien aus Niedersachsen, Bayern oder anderen lutherischen Gemeinden kennen den historischen Werdegang der Gemeinde nicht mehr.

Sie alle fühlen sich aber in der mit Blumen geschmückten Kirche, mit dem Kruzifix auf dem Altar und mit der  gesungenen lutherischen Liturgie  wohl und zu Hause. Möge es noch lange diese Kirchengemeinde geben.

Wenn Sie von außerhalb kommen, schauen Sie doch einmal bei uns vorbei. Wenn Sie neu zugezogen sind, besuchen Sie uns ebenfalls. Vielleicht gefällt es Ihnen  bei uns und sie melden sich bei uns an.

 

 

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